Mittwoch, 20. Oktober 2021

Der Tod der Mrs. Westaway / Ruth Ware

 UNHEIMLICHES SETTING!

Bewertung : ★★★★★



Harriet Westaway ist 21 Jahre alt und seit dem Tod ihrer Mutter völlig allein auf der Welt. Sie hat keine Familie und so ist sie mehr als verwundert, als ein Brief eines Rechtsanwaltes in ihre kleine Wohnung in Brighton flattert. Darin wird sie in Kenntnis gesetzt, dass ihre Großmutter gestorben ist und sie für ihr Erbe nach Pencanze, in Cornwall, fahren soll. Harriet, die nicht nur Schulden, sondern auch noch einen brutalen Schuldeneintreiber am Hals hat, fährt nach Cornwall, in der Hoffnung zu erben. Auch wenn sie weiß, dass sie gar nicht die gesuchte und nun aufgefundene Erbin sein kann, da ihre Großeltern schon lange verstorben sind.



Ein weiteres Buch der Autorin, das mich begeistern konnte. In „Der Tod der Mrs. Westaway“ mischt Ruth Ware Familiengeheimnisse, eine tragische Lebensgeschichte und die Suche nach der Herkunft einer jungen Frau. 

Getragen wird die Geschichte von einer starken und überzeugenden Figur:

Die junge Harriet, genannt Hal, kämpft um ihr Überleben, muss jeden Pfennig zweimal umdrehen und hält sich mehr schlecht, denn recht über Wasser. Bis ihr ein verhängnisvoller Brief ein Licht am Ende des Tunnels beschert. Sie soll den Landsitz "Trepassen House" der Familie Westaway erben. Sie ist sich jedoch sicher, dass sie keine Berechtigung für dieses Erbe hat. 

Hal ist so gut charakterisiert, dass man beim Lesen ihre Zerrissenheit sehr gut spürt. Überleben und die Tilgung der Schulden mit dem Vorgaukeln falscher Tatsachen oder Ehrlichkeit…wofür wird sich Hal entscheiden? Hal hat mir sehr gut gefallen, denn sie gibt trotz großer Armut nicht auf und versucht, sich selbst zu bleiben. 

Sehr schnell hat es die Autorin geschafft, dass spannende Fragen am Buchrand sitzen. Immer wieder habe ich mich gefragt, wie Hal in die Familie Westaway passen könnte. Ob sie wirklich das verlorene Enkelkind der verstorbenen Hester Mary Westaway ist oder doch nicht? Die geballte Ladung Familie, die zusammenkommt, löst bei Hal Gewissensbisse aus und ich konnte mich gut in ihre Situation reinversetzen. Allerdings empfand ich die Familie zeitweise als zu nett und entgegenkommend. Schließlich müssen die drei Söhne der Verstorbenen auf einen Teil ihres Erbes zugunsten von Hal verzichten. Die Autorin schafft es, dass man beim Lesen irgendwann dem Frieden nicht mehr traut und daraus entwickelt sich ein raffinierter Plot.


Die angekündigte beklemmende Atmosphäre entwickelt sich nach und nach und irgendwann wird es so unheimlich, dass man wortwörtlich hinter jeder Türe Gespenster lauern sieht. Blut, ekelerregende Szenen oder Mord findet man hier nicht. Die Autorin spielt dafür mit einem atmosphärischen Setting und Figuren, denen Hal nicht über den Weg trauen darf.


Zu Beginn, als Hal noch in Brighton lebt und arbeitet, wurde der Pier, auf dem sie sich als Wahrsagerin verdingt, sehr atmosphärisch beschrieben. All der Nebel, die Meeresschwaden und die dunkle Nacht erzeugen eine gruselige Stimmung. Was auch den Schuldeneintreibern, die es auf die Protagonistin abgesehen haben, geschuldet ist.


Mich hat dieses Buch der Autorin begeistert und ich kann es Lesern empfehlen, die Wert auf düstere Spannung statt Blut, Mord und Totschlag legen.


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