Sonntag, 3. Februar 2019

I can see U / Matthias Morgenroth

GLÄSERNE GESELLSCHAFT !

Bewertung : ✭✭✭✭✫

Es ist Liebe auf den ersten Blick als Ben ins Klassenzimmer kommt. Marie sieht den neuen Mitschüler und ist hin und weg. Ihre Freundin Elli findet ihn weniger toll. Doch Marie lässt sich nicht beirren. Endlich ein Junge, der sie versteht, ihre Wünsche und Träume zu erfüllen versucht. Auch der Rest der zehnten Klasse ist begeistert von Ben. Als Fotos, die verschiedene Mitschüler in peinlichen Posen zeigen, im Internet kursieren, verdächtigt jeder jeden etwas damit zu tun zu haben. Nur Ben bleibt relativ gelassen…. 



Ich mochte den Schreibstil von Matthias Morgenroth sehr. Mit seinem prägnanten und klaren Stil konnte er mich mit diesem Jugendbuch auch als Erwachsene, und weit ausserhalb der Zielgruppe, erreichen. Immer wieder hat er tiefsinnige, sehr schön klingende oder bedeutungsvolle Sätze, die nachhallen, eingeflochten. 

Die Geschichte ist über und für Jugendliche und so geht es hauptsächlich um Marie und ihre Klassenkameraden. Cybermobbing, den Umgang mit sozialen Medien und die Folgen bei Missbrauch zeigen topaktuelle Probleme, die Jugendliche heutzutage haben können. In der Story wird vom Prolog an unterschwellig ein grosses Geheimnis angedeutet. Die Andeutungen, die auf einem Vorfall hinweisen, machen neugierig und sind sehr spannend. Irgendwann fragt man sich, wer wer ist … und wer für die sonderbaren Vorfälle verantwortlich ist? 

Die Jugendlichen in diesem Buch sind in der zehnten Klasse und relativ brav. Drogen, Alkohol oder andere Suchtprobleme bleiben aussen vor. Auch Ausgang und Partys sind kein Thema. Was dann doch die Figuren etwas unrealistisch macht. Ausgrenzung wird anhand eines Klassenkameraden angedeutet. Wird jedoch so dargestellt, dass er selbst keinen Kontakt zu seinen Mitschülern möchte. Dafür ist Mobbing ein grosses Thema bei den Jugendlichen. Doch auch das ist relativ harmlos beschrieben. So scheinen die verleumderischen Fotos im Netz für die Betroffenen wenig Konsequenzen zu haben. Marie weint ein wenig, als ein gefaktes Foto von ihr und Elli im Klassenchat kursiert. So wirklich abgenommen habe ich ihr die Verzweiflung darüber jedoch nicht. Wenn man bedenkt, dass im realen Leben so was einen Jugendlichen völlig aus der Bahn werfen kann. Ganz seltsam war die Burn out Geschichte von Ellis Mutter. Zu welchem Zweck, die und auch noch so oberflächlich, eingefügt wurde, bleibt mir ein Rätsel. 

Meiner Meinung nach hätte man etliche Themen tiefer … eindringlicher …. darstellen dürfen. Im Anbetracht des Alters der Zielgruppe (12 bis 15 Jahre), hätte es da schon noch einen Schuss Authentizität vertragen. 

Der Autor konnte mich zum Schluss sehr überraschen. Denn er hat in seinem Plot ein Horrorszenario der heutigen, stark Technik- und Ueberwachungs- gezeichneten Gesellschaft gezeigt. 


Vielen Dank an den Coppenrath Verlag und vorablesen für das Rezensionsexemplar!

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