Sonntag, 2. August 2026

Five. Das Ticken der Zeit / Ilona Bannister

CHARAKTERSTUDIE MAL 5

Bewertung: ★★★★☆



Fünf Menschen stehen in London am Bahnsteig und warten auf den Zug, der um 7.06 Uhr einfahren soll. Die Uhr tickt, es bleiben fünf Minuten, dann wird einer von ihnen sterben. 

Wen wird es treffen? 

Wird die seltsame Mrs. Worth den Tag nicht erleben? Oder wird Emma ihren kleinen Sohn Gideon verlieren oder er ohne Mutter aufwachsen? Es könnte aber auch sein, dass Geschäftsmann Liam seinen letzten Deal am Vortag gemacht oder der junge Sonny sein Leben schon gelebt hat.

Five - Fünf Menschen mit unterschiedlichen Charakteren, Lebensumständen, Wünschen und Hoffnungen stehen am Bahnhof in einem Londoner Vorort. Diese Kapitel sind mit der Uhrzeit gekennzeichnet. Die Uhrzeit wird heruntergezählt bis zum grossen Showdown - dem Tod einer Figur. In diesen Kapiteln verknüpfen sich die Leben miteinander, obwohl diese Menschen auf den ersten Blick nichts miteinander zu tun haben. In rückblickenden Kapiteln, jeweils mit dem Namen der Figur übertitelt, lernt man sie besser kennen. Diese Kapitel fand ich sehr spannend und fesselnd. Merkt man doch, dass auf den ersten Blick nicht alles so ist, wie es scheint. 

Da ist zum Beispiel die alte Mrs. Worth, die ihr Leben lang als Pathologin gearbeitet hat und nicht über ihren Schatten springen konnte. Ein Schatten, der ihr schon von Kindesbeinen an von ihrem Vater eingeimpft wurde. Oder aber die junge und bewusst alleinstehende Mutter Emma, deren Sohn Gideon anstrengend und schwierig zu händeln ist. Wir lernen jedoch auch Liam kennen, der mit einem beeinträchtigten Zwillingsbruder, mit dem er sich tief verbunden fühlt, aufwächst. Dann ist da noch Sonny, der nirgendwo so richtig hineinpasst und überall aneckt.

Nebenfiguren, die mit den Protagonisten dort auf diesem Bahnsteig sind, tragen Namen wie To-do-Liste, Medizinstudent oder Rückenleiden. Dies als kleine Spielerei.

Die Autorin betreibt beinahe Charakterstudien und darauf muss man sich einlassen. Als Leser taucht man immer tiefer in das Leben der Figuren. Diese Kapitel sind sehr lang und dadurch verlor ich öfter einmal den Fokus auf die Geschehnisse auf dem Bahnsteig. So sehr, dass mich die Frage, wer denn nun stirbt, irgendwann nur noch minimal interessierte. Ich tauchte nämlich so intensiv in die einzelnen Figuren und ihre Vergangenheit ein, dass die Frage "wer wird sterben" nebensächlich wurde. Ganz und gar nicht gefallen hat mir, wie die Autorin den Schluss in die Länge gezogen hat. Gefallen hingegen hat mir, wie der Leser immer wieder mal direkt angesprochen und nach seiner Meinung gefragt wird.

Für das Rezensionsexemplar bedanke ich mich beim Droemer Verlag und Vorablesen.

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