MACHTKÄMPFE...
Bewertung: ★★★☆☆
Claire ist krank - todkrank. Mit Eliot verbindet sie 40 gemeinsame Jahre, zwei erwachsene Kinder, Enkelkinder und ein erfülltes und wunderbares Leben.
Eliot pflegt seine krebskranke Frau seit langer Zeit, nun möchte er ihr die letzte Zeit so angenehm wie möglich machen.
Doch Claire hat andere Pläne. Sie möchte im Beisein ihrer besten Freundinnen, Michelle und Holly, die letzten Wochen verleben und in deren Beisein sterben.
Ist der Wunsch in Begleitung der Freundinnen zu sterben, statt mit dem eigenen Ehemann, unerhört? Ist das wirklich so empörend, unverschämt und unglaublich, wie die Bedeutung des Wortes "unerhört" suggeriert?
Nach vierzig gemeinsamen Jahren habe ich Elliots Empörung, die sich in Frust über die Zurückweisung gewandelt hat, verstanden. Ich habe stellenweise auch Claires Wunsch nachvollziehen können. Vor allem da ich hoffe, dass Claire das Sterben im Beisein der Freundinnen vorzieht, als Schutz für ihren Ehemann zu deuten ist. Mir haben beide Sichtweisen eingeleuchtet und damit hat mich die Geschichte berührt und auch langanhaltend beschäftigt. Bei solchen Schicksalserzählungen kommt man ja nicht drumherum zu denken, was wäre, wenn ich in der Situation stecken würde?
Sterben - Abschied nehmen - Loslassen sind die Themen in "Ein unerhörter Wunsch". Nicht nur Eliot muss loslassen, sondern auch die erwachsenen Kinder. Tochter Abby und Sohn Josh blieben für mich zu blass. Ich hätte mir gewünscht vermehrt ihre Sicht und mehr über ihre Gefühle zu erfahren.
Bedauerlicherweise konzentriert sich Ann Packer sehr auf Ehemann Eliot. Seine Sicht ist sehr dominant und omnipräsent. Er ist einer, der alles gibt, um seiner Frau ihre letzte Zeit so angenehm wie möglich zu machen. Oder besser gesagt: zu geben bereit ist.
Claire weiss das oft weder zu schätzen, noch honoriert sie das. Sie zieht ihr Ding mit ihren Freundinnen durch. Ich fand sie oft undankbar und egoistisch. Nun stellt sich die Frage, ob man an der Schwelle des Todes egoistisch und undankbar sein darf. Das muss wohl jeder für sich entscheiden. Mir jedenfalls war sie nicht sehr sympathisch. Ich konnte vieles, was das Frauen- Dreiergespann so abzog, nicht nachvollziehen, verstehen und gutheissen.
Die Krebserkrankung und die Hoffnungslosigkeit, dass Claire es genesen aus der Geschichte schafft, sind zweifelsohne emotional. Die Machtkämpfe zwischen Eliot, Michelle und Holly verwässern die emotionale Tiefe. Als positiv werte ich trotz meiner Kritikpunkte, dass der Plot völlig anders ist als in Büchern mit dem Thema Sterben sonst üblich.
Für das Rezensionsexemplar bedanke ich mich beim Hanser Verlag und netGalley.

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