LEBENDIG UND FESSELND
Bewertung: ★★★★★
Wie jeden Sommer verbringen die Tuckers, Charlotte, Perry und ihr Sohn Benedikt, den Monat August in ihrem Ferienhaus an der Pine Ridge Road, an der Sudküste Englands. Ihre Nachbarn in London, Amy und Linus Shaw mit ihren Kindern Huck und Beattie, wohnen inzwischen am Urlaubsort ebenfalls nebenan. Die Shaws haben ein Ferienhaus in der Nähe der Tuckers gekauft und organisieren jetzt dessen Renovation vor Ort.
Dies sehr zum Missfallen der einheimischen Bevölkerung, die etwas gegen die Zweitwohnungsbesitzer hat. Denn die reichen Urlauber verbringen nur vier Wochen im Jahr an diesem idyllischen Ort und für die Einheimischen ist bezahlbarer Wohnraum knapp. Die gegründete Aktivistengruppe "Not just for August" macht den Feriengästen das Leben schwer und schon bald eskaliert die Lage.
Obwohl das Buch 570 Seiten dick ist, habe ich mich auf keiner einzigen davon gelangweilt. Dafür sind die Themen zu vielfältig und unterhaltsam, ja auch manchmal sozialkritisch. Letzteres vor allem im Grundthema der Geschichte, der Besitz von Zweitwohnungen. Für die einheimische Bevölkerung, die händeringend nach bezahlbarem Wohnraum sucht, sind die Feriengäste ein Affront. Reiche Leute aus London kaufen ihnen die Häuser weg. Diese stehen, bis auf ein paar Wochen im August, das ganze Jahr leer. Wohnungen werden zu Airbnb's umfunktioniert, denn damit wird ordentlich Geld gescheffelt. Ein bekanntes Problem auch in der Realität und bei dem sich die Katze in den Schwanz beisst. Ein Teufelskreis, in dem ich beide Seiten nachvollziehen konnte.
Weitere Themen wie organisierter Diebstahl, gleichgeschlechtliche Liebe und Urlaubsromanzen, Revolten der Aktivistengruppe, clevere Diebstähle, die Sympathien und Antipathien zwischen den Familienmitgliedern und etliche andere Themen machen die Handlung lebendig. Es geschieht immer irgendetwas und jede und jeder der Figuren erlebt Fesselndes.
Kapitelweise wird eine Figur in den Mittelpunkt gestellt und sie wiederholen sich nach ein paar Kapiteln. Problemlos konnte ich dort anknüpfen, wo die Autorin Kapitel zuvor die Figuren verlassen hatte. Oft mischen sich natürlich die Figuren und nehmen in "fremden" Kapiteln teil. Darauf ergibt sich eine lebendige Handlung, die mir Spass gemacht hat.
Als Thriller würde ich diese Geschichte nicht benennen. Denn das schürt Erwartungen, die diese nicht zu halten vermag. Kapitel, die Ende August, also gegen Ende der Ferienzeit handeln, zeigen zwar eine mittlere Katastrophe und auch einen Todesfall. Doch irgendwie steht das nicht im Fokus, dafür ist der Rest der Story zu abwechslungsreich. Erst gegen Schluss führt die Leiche, die sehr unkonventionell zur Leiche wurde, zu Ermittlungen. Die letzten 50 Seiten würde ich als Spannungsroman oder Krimi einstufen.
Für das rezensionsexemplar bedanke ich mich beim Bloggerportal und dem btb Verlag

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