WAR ES DAS ?
Bewertung: ★★★★☆
Nach der Scheidung ist die 52-jährige Tilda Finch eigentlich glücklich und zufrieden mit ihrem Leben. Sie ist Mutter von erwachsenen Zwillingstöchtern und leitet erfolgreich ein Unternehmen.
Eines Morgens bemerkt sie, dass der kleine Finger ihrer rechten Hand fehlt. Beim Besuch bei ihrer Ärztin erhält sie die Diagnose "Unsichtbarkeit". Unheilbar und nicht ausgeschlossen, dass noch andere Körperteile verschwinden. Was physisch bei ihr fortschreitet, hat Tilda auch psychisch schon seit einiger Zeit bemerkt.
Nun ist es an der Zeit sich gegen die Unsichtbarkeit zu stemmen.
Morbus invisibilis: ein Phänomen, das vor allem Frauen in der Lebensmitte trifft. Sie werden von ihrer Umgebung übersehen und ignoriert. Diese Besonderheit gibt es auch im realen Leben. Hier in diesem Buch hat die Autorin noch körperliche Unsichtbarkeit dazu gedichtet.
Protagonistin Tilda verschwindet langsam aber sicher. Sie nimmt deshalb auch an einer Selbsthilfegruppe teil, in der einige Mitglieder nicht oder kaum noch sichtbar sind. Damit ist der Plot leicht skurril. Körperteile, die verschwinden, sind völlig aus der Luft gegriffen. Das hat mich seltsamerweise gar nicht gestört.
Hinter dem Ganzen steckt eine Krise, die Frauen in der Lebensmitte häufig trifft. Die Kinder sind aus dem Haus, die Frauen beruflich angekommen und in einem wertvollen Freundeskreis integriert.
War es das?
Eine Frage, die sie sich trotzdem stellen. Auch Tilda gehört dazu und sie stellt einiges an, um sichtbar zu werden. Sie wendet sich an ihre Ärztin und eine Psychoanalytikerin, sucht Rat bei ihren besten Freundinnen Leith und Ali, besucht ein Meditations Retreat und öffnet sich für eine neue Liebe. Per Zufall lernt sich nämlich einen Mann kennen. Patrick ist blind und nimmt die Makel an Tilda dadurch nicht wahr. Romantisch und sehr schön sind diese Passagen und entschädigen für die trockenen und esoterischen Teile der Selbstfindung Tildas, die für mich einen zu grossen Teil einnehmen.
Die Autorin lässt immer wieder einen leichten Humor durchblitzen, vernachlässigt jedoch nicht die tiefgründigen Passagen. Sehr schön die Lebensweisheiten von bekannten Persönlichkeiten, sowie fiktiven Figuren bei Beginn der Kapitel.
"Mit anderen Augen" ist ein Roman mit einem Hauch Romantik, einem Teil guter Freundschaften, Familienbande und ganz viel Selbstfindungsgedanken.
Für das Rezensionsexemplar bedanke ich mich beim Diogenes Verlag und NetGalley

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