MENSCHEN UND IHRE FASSADEN ...
Bewertung: ★★★☆☆
Linn und Matze werden von Felix an die Côte d'Azur eingeladen. Felix ist ein alter Freund von Matze und verbringt mit seiner Ehefrau Eva, dem 5-jährigen Otto und dem Baby den Urlaub in einem luxuriösen Bungalow am Mittelmeer.
Linn, die mitten in einer Kinderwunschbehandlung ist, ist sofort neidisch auf Eva. Denn Eva hat alles, was Linn sich wünscht. Während Matze und Felix angeln und versuchen das finanzielle Ungleichgewicht zwischen ihnen zu ignorieren, verstehen sich Linn und Eva immer besser.
Auf der Dachterrasse des Bungalows treffen sich die beiden Frauen heimlich. Sie kiffen und führen tiefe Gespräche. So merken sie langsam, dass sie mehr gemeinsam haben als gedacht.
Linn, mit einem drängenden Kinderwunsch und als Künstlerin eher unkonventionell unterwegs, trifft im Urlaub auf Eva. Letztere ist Mutter von zwei Kleinkindern, den Beruf hat sie aufgegeben, Ehemann Felix verdient reichlich. Die zwei Frauen sind grundverschieden und dennoch verbindet sie etwas: Solidarität zwischen Frauen. Man kann regelrecht zusehen, wie sie zusammenwachsen und Verbündete werden. Das fand ich sehr schön beschrieben. Je mehr Linn Eva kennenlernt, desto besser kann sie auch hinter die Fassade blicken. Gegen aussen führt Eva ein perfektes Leben, doch in Wahrheit sieht das ganz anders aus. Sensibel und mit Tiefe hat die Autorin diese Diskrepanz herübergebracht.
Ganz anders ist da die Freundschaft zwischen Matze und Felix, die seit Schulzeiten besteht. Die ist so ein typisches und klischeehaftes Schulterklopf-Ding zwischen Männern. Leider war mir keiner der männlichen Protagonisten wirklich sympathisch. Meine Horrorvorstellung schlechthin wäre mit Felix den Urlaub zu verbringen.
Da ein Paar mit Kindern anreist und das andere Paar mitten in einer Kinderwunschbehandlung steckt, bewegt sich die Story immer wieder mal in diesen Themen.
Speziell fand ich, dass das zweite Kind geschlechtsneutral immer "Baby" genannt wird und keinen Namen trägt. Die Handlung wird von fünf erwachsenen Protagonisten und zwei Kleinkindern bestritten, weitere Figuren kommen nicht vor. Gegen Schluss wird diese abstrus. Da gibt es ein Angebot für einen Babytausch und ein Nashorn, das frei in der Gegend herumläuft und von der Polizei eingefangen werden muss.
Den Schreibstil fand ich doch ab und zu holperig. Es fehlten immer wieder Wörter oder aber Felix "schluckt" Wörter, wenn er spricht. Gelinde gesagt nervig fand ich zum Beispiel, dass er Linn durch das Buch mit "Hey Alter" anspricht. Oft wechseln die Perspektiven, dies ohne Deklaration und ich habe mich nicht immer zurechtgefunden. Hier wäre bei Kapitelanfang der Name der Figur angebracht gewesen.
Für das Rezensionsexemplar bedanke ich mich beim Bloggerportal und dem Insel Verlag.

Keine Kommentare:
Kommentar veröffentlichen