VIELE NEBENGESCHICHTEN
Bewertung: ★★★☆☆
Sonja ist verzweifelt, denn nach der Scheidung von Adam bekommt er das Sorgerecht für den neunjährigen Tomas zugesprochen. Sonja muss Geld verdienen und sie lässt sich dazu überreden in den Drogenschmuggel einzusteigen.
Regelmässig schafft sie, per Flugzeug, Koffer mit Kokain von Dänemark nach Island.
Doch am Flughafen in Reykavik sitzt ein findiger Zollbeamter. Dragi, der kurz vor der Pensionierung steht, fällt die seltsame junge Frau, die mindestens 2 bis 3-mal pro Monat in Reykjavik ankommt, auf.
Die erste Perspektive ist die Sicht von Sonja Gunnarsdottir. Sie wurde bei einem Seitensprung, von ihrem Mann und dem kleinen Sohn, in flagranti ertappt und sieht sich gezwungen in den Drogenhandel einzusteigen. Sonja redet sich ihre kriminellen Machenschaften schön und schafft Drogen in grossen Mengen nach Island. Dass sie eine ehrliche Arbeit suchen könnte, fällt ihr nicht ein. Mir ist die Protagonistin sehr schnell sauer aufgestossen. Ja, gute Frau, das sind halt die Konsequenzen, wenn man im eigenen Zuhause die Liebhaberin empfängt und sich dabei von Mann und Sohn erwischen lässt. Doch Sonja denkt auch schlauer, als ein Drogenboss zu sein und erpresst ihn. Etwas, was ordentlich schiefgeht. Auch, dass sie zwei Drogenhunde vergiftet, ist mir sauer aufgestossen.
Die beschriebenen, oft erotischen, Zusammentreffen zwischen Sonja und ihrer On-off-Beziehung haben mich zunehmend grob überlesen lassen. Denn mit der alkoholkranken Agla pflegt Sonja einen Umgang, der oft unausgeglichen ist. Agla ist sich gar nicht mal so sicher, ob sie bereit ist für eine gleichgeschlechtliche Beziehung und dabei trotzdem abhängig von der dominierenden Sonja.
Weitaus besser hat mir da die Figur von Perspektive Nummer zwei gefallen. Bragi, der enorm darunter leidet, dass er seine an Alzheimer erkrankte Frau Valdis ins Heim geben musste. Er spürt, dass es ihr dort nicht gut geht und sucht nach einer Lösung. Neben seinen privaten Problemen fällt ihm am Flughafen diese elegant gekleidete junge Frau auf, die sich seltsam benimmt. Seine Recherchen und seine Beobachtungen waren das Highlight der Geschichte.
Die dritte Perspektive ist die von Agla. Sie ist Bankangestellte und Sonjas On-off-Beziehung. Sie sucht nach Halt und Orientierung, in der Liebe und im Beruf. Denn Agla, die sich mit hochrangigen Beamten umgibt, sieht sich der Bankkrise gegenüber gestellt.
Die Autorin hat versucht (zu) viele Themen zu einem Thriller zu bündeln. Mir war das zu viel an Nebengeschichten. Man hätte meiner Meinung nach die ewigen Streitigkeiten um den kleinen Tomas und die Bettpassagen zwischen Agla und Sonja zugunsten der kriminellen Handlung streichen können. Positiv überraschen konnte mich die Autorin mit der Auflösung, wer hinter den ganzen Drogengeschäften steckt.
"Das Netz" ist der Auftakt einer Trilogie, die Reihe werde ich nicht weiter verfolgen.

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