WITZIG, NACHDENKLICH MACHEND; AUTHENTISCH
Bewertung: ★★★★★
Herr Lehrerin arbeitet in einer Willkommensklasse, irgendwo in Deutschland. Seine Schüler aus den verschiedensten Ländern sind in dieser Klasse um Deutsch zu lernen, bevor sie in eine Regelklasse eingegliedert werden können.
Herr Lehrerin, der korrekt Herr Lehrer genannt werden müsste, muss andere Prioritäten als die korrekte Anrede setzen.
Er versucht seine Schüler mit den Feinheiten der deutschen Kultur vertraut zu machen und ihren Wortschatz zu vergrössern.
Dabei benötigt er Humor, Feingefühl und auch Geduld. Denn seine chaotische Klasse, die sich jeden Tag anders zusammensetzen kann, versteht nicht immer, was er ihnen mitteilen will. Die erste Kapitelüberschrift lautet "Willkommen im Wahnsinn" und passt in vielen Situationen sehr gut.
Herr Lehrerin, bleiben wir mal bei der Anrede, ist Quer- und Seiteneinsteiger im Schulwesen. Dabei versucht er mit gesundem Menschenverstand seine Klasse zu führen, unterrichten und sprachlich weiterzubringen.
Man merkt beim Lesen, wie er seinen Job liebt, aber auch oft an die Grenzen gerät. Authentisch, dass diese Grenzen oft nicht von den Kindern selbst, sondern von der Schulleitung, Aufsichtsperson in der Kantine, Eltern oder aber von Sozialarbeitern, ausgelotet werden. Wie auch in der realen Welt ist oft das Umfeld der Schüler am anspruchsvollsten. Man mag gewisse Passagen als überspitzt bewerten. Ich weiss jedoch aus sicherer Quelle, dass sie es nicht sind.
So hangelt sich Herr Lehrerin durch allerlei skurrile Dialoge mit seinen Schülern, die mich manchmal haben schmunzeln und auch laut lachen lassen. Witzige Dialoge, die oft kulturellen Finessen oder sprachlichen Schwierigkeiten geschuldet sind. Einige Passagen, wie die Gefahr, dass Kinder plötzlich nicht mehr in der Schule auftauchen, weil die Familie abgeschoben wurde, haben mich schlucken lassen. Dann gibt es auch die Abschnitte, die nachdenklich machen. Sehr eindrücklich ist zum Beispiel der Fingerzeig, wie nicht deutsch sprechende Kinder sich fühlen, wenn sie die Landessprache nicht sprechen und verstehen oder die Regeln und Gepflogenheiten nicht kennen. Da artet die Diskussion, ob in der Schule Cap getragen werden darf oder nicht, auch mal aus.
Ich finde, dieses Buch sollte jede Lehrperson, jede Aufsichtsperson in einer Schule und jede Schulleitung lesen.
Für das Rezensionsexemplar bedanke ich mich beim Bloggerportal und dem Heyne Verlag

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