Dienstag, 2. Juni 2026

Was wir verbergen / Arttu Tuominen

KEINE OBERFLÄCHLICHE KRIMILITERATUR

Bewertung: ★★★★★



Eine Explosion, in einem Nachtclub im Zentrum von Pori, mobilisiert die Polizei und die Einsatzkräfte. Der Club "Venus" war bekannt dafür, dass queere Partyleute ein und aus gingen. Direkt nach der Explosion bekennt sich der Täter zu dem Attentat. Er, der sich "der Abgesandte" nennt, will Finnland säubern. Vor Menschen in gleichgeschlechtlichen Beziehungen. Das Bekennervideo wirft hohe Wellen. Denn der Täter hat viele Sympathisanten, aber auch das Contra Lager bezieht klar Stellung.

Polizeikommissar Henrik Oksman von der Kripo in Pori ermittelt. Er war kurz vor dem Attentat auch in dem Club, dies muss er jedoch geheim halten. 

Als kurz darauf ein weiterer Mord geschieht, der in Verbindung mit dem Attentat steht, gerät Oksman an seine Grenzen. Darf er weiterhin schweigen, auch wenn das weitere Menschenleben kostet?

Dies ist nun der zweite Band und ein weiterer, in sich abgeschlossener, Krimifall dieser finnischen Reihe. Einer Reihe, die ich gerade durch suchte... Ich bin begeistert. Nicht nur, dass Arttu Tuominen die Tat (leider) hochaktuell gestaltet, es wird auch sehr, sehr spannend. 

Ein Attentat in einem Nachtclub, das ein fanatischer Spinner verübt. Da klingeln doch die Glocken. Traurigerweise geschieht das ja auch in der Realität. Hier in der Geschichte wird gleichgeschlechtliche Liebe angeprangert, verurteilt und verfolgt. Homophobie, Rassismus und Engstirnigkeit sind tiefe Themen in diesem Krimi. Inklusive eines Abstechers in das Umfeld der Religion und der Kirchen. Letzteres sehr anschaulich.

Finnland gehört in der realen Welt ja zu den weltweit fortschrittlichsten Ländern in Sachen LGBTQ. Daher ist einiges in der Geschichte wohl rein fiktiv. Was aber keineswegs die Ohnmacht nimmt, die ich beim Lesen verspürt habe. Getoppt wird die Spannung, wie das Ermittlerteam den Abgesandten erwischt, durch das Geheimnis von Henrik Oksman. Dieser steht in diesem Band im Mittelpunkt. Der Autor wechselt ja die zentrale Ermittlerfigur in jedem Band aus.

Henrik Oksman, bei dem man auch Einblick in seine familiäre Situation bekommt, ist sehr eigen. Er isst nur Sachen, die eingeschweisst sind, wäscht sich etliche Male die Hände, hat extreme Angst vor Bakterien und weitere Manien, die in Richtung ASS deuten. Seine Angst vor Entdeckung, dass er homosexuell ist und in dem Nachtclub war, nimmt ungeahnte Ausmasse.

Dieses Buch ist alles andere als oberflächliche "Krimiliteratur". Gehaltvoll in den Themen, die mich nachdenklich gemacht haben. Fesselnd der Fall um den Anschlag in dem Nachtclub und beängstigend die Denkweise des Täters. Leseempfehlung auch ohne den vorderen Band zu kennen!

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