Sonntag, 10. Mai 2026

Was wir verschweigen / Arttu Tuominen

FREUNDSCHAFT UND LOYALITÄT

Bewertung: ★★★★☆



Eine Gruppe Randständiger feiert in einem Wochenendhaus. Es geht hoch zu und her und plötzlich ersticht ein Mann einen anderen mit einem Brotmesser. 

Der Täter flüchtet und wird noch am selben Abend von der Kripo Pori festgenommen. Der Fall scheint gelöst. 

Doch Kommissar Jori Paloviita ist von der Unschuld des Festgenommenen überzeugt. Er kennt den vermeintlichen Täter nämlich gut, schliesslich war er in der Schule sein bester Freund. Mit ihm ist er durch dick und dünn gegangen und verdankt ihm sein Leben. 

Dieses Buch ist einer dieser Krimis, in dem der Gedanke aufkommt, dass das Opfer seinen Tod herausgefordert hat. Ja, ein Stück weit verdient hat. Mein Mitleid für den Ermordeten hielt sich in Grenzen, wenn ich ehrlich bin. Regelmässig werden nämlich Kapitel seiner Jugendzeit gewidmet und da geht es rund. Das spätere Opfer war im Jahr 1991 ein Jugendlicher, der mobbt, quält und kriminell ist. Bekommt er nun als Erwachsener die Quittung für sein Verhalten? 

Ungewöhnlich und spannend ist, dass auch der ermittelnde Kommissar zu Schulzeiten unter ihm gelitten hat. Die Mischung zwischen professioneller Objektivität und Gefühlen wie Abneigung, Wut und nachtragend sein, ist sehr berührend in der Figur Jori Paloviita vereint. 

Berührend ist auch seine Freundschaft zu einer Schlüsselfigur in der Mordermittlung. Zwei Freunde, die 1991 als 13-Jährige durch dick und dünn gehen, anschliessend aus den Augen verlieren und sich plötzlich zwischen Loyalität und Freundschaft entscheiden müssen. Das ist die starke Seite der Geschichte. Etwas weniger stark und langatmig empfand ich die Einführung in die Figuren. Arttu Tuominen liess sich zu Beginn des Buches viel Zeit damit und es dauert etwas, bis Spannung aufkommt.

Dieses Buch ist der erste Fall einer Reihe und im Mittelpunkt steht Jori Paloviita. Seine Kollegen Linda Toivonen und Henrik Oksman werden eingeführt, haben jedoch eher eine Nebenrolle. Die beiden werden in den nächsten Bänden wohl ihre Hauptrolle bekommen und darauf freue ich mich sehr. Auftakt gelungen.

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