Freitag, 13. März 2026

Eine Maus namens Merlin / Simon van Booy

VORSCHUSSLORBEEREN

Bewertung: ★★★☆☆



Mit 83 Jahren lebt Helen Cartwight alleine in ihrem Haus in Westminster Crescent. Sie wartet auf den Tod und geht kaum mehr aus dem Haus. Als ihr Nachbar ein altes Aquarium zur Entsorgung auf die Strasse stellt, holt es Helen ins Haus. 

Erstaunt stellt sie fest, dass in dem alten Ding eine Maus lebt. Helen versucht zuerst die Maus zu fangen und dann will sie dieses Viech unbedingt loswerden. Die Maus muss weg, denn schliesslich will Helen ja bald sterben. 

Doch die Maus hält sich nicht an Helens Pläne und wird zu einer Art Freund und Vermittler für die alte Dame.

Ich bin immer skeptisch, wenn eingangs Buch mit Vorschusslorbeeren nur so um sich geworfen wird. Von Jojo Moyes bis zu der New York Times sind voll des Lobes für Simon van Booys neustes Werk. Teile ich die Begeisterung? J...ein... 

Erstmal gefiel mir der Gedanke, dass eine Maus eine ältere Dame aus ihrer Einsamkeit und Lethargie reisst. Ein Mäuserich ist ja eher ein unkonventionelles Haustier. Aber Helen denkt ja bald zu sterben (obwohl sie weder krank noch sonderlich gebrechlich ist...aber das nur am Rande) und da holt man sich ja nicht noch eine Katze ins Haus. 

So weit, so vernünftig. 

Aber das war es leider auch schon mit meinen Sympathien für Helen. Ich finde, sie ist eine verbitterte, teilweise schnoddrige und sich im Selbstmitleid suhlende alte Frau. Das zeigt sich in Aktionen wie ihren Anruf im Tierheim. Zu Helens Leidwesen gerät sie an einen ehrenamtlichen Mitarbeiter und die sind, laut Helen, grundsätzlich inkompetent. Schlussendlich konnte mich Helen doch noch überraschen und für sich einnehmen. Sie hat nämlich betreffend beruflichem Hintergrund noch einen Trumpf im Ärmel und zeigt, dass ihr andere Lebewesen nicht völlig egal sind. Helen öffnet sich, wird sozialer und umgänglicher und hat mich schlussendlich mit sich versöhnt.

Der Autor hätte die Idee, die nicht besonders spektakulär ist, etwas aufpeppen dürfen. Statt akribisch Helens Teezubereitung, ihre Badegewohnheiten und den Abwasch zu beschreiben, wäre vielleicht gut gewesen noch ein paar weitere Figuren einzubauen. In der Handlung mischen nämlich nur eine Handvoll Figuren mit. In der Hauptrolle Maus Merlin und Helen. Bei den wenigen Nebenfiguren ist da zum Beispiel der schlecht wegkommende ehrenamtliche Helfer im Tierheim und der zumindest sich wacker gegen Helen behauptende Besitzer einer Eisenhandlung.

Gut gefallen hat mir die Botschaft, wie etwas Kleines und Unscheinbares (die Maus) einen Menschen dazu verleiten kann, wieder so was wie ein soziales Leben aufzubauen. Zumindest ansatzweise! Gut gefallen haben mir auch die leisen Untertöne. Themen wie Fleischkonsum, Tierversuche oder die Meerüberquerung von Flüchtlingsbooten. 

Für das Rezensionsexemplar bedanke ich mich bei netGalley und dem Klett Cotta Verlag!

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