Dienstag, 17. Februar 2026

Zugwind / Iryna Fingerova

STAKKATOARTIGER SCHREIBSTIL

Bewertung: ★★★☆☆



Nach der Flucht aus Odesa lebt Mira Zehmann in einer deutschen Stadt. Zusammen mit ihrem Mann Andreij und der kleinen Tochter Rosa versucht sie ein neues Leben aufzubauen. Sie arbeitet als Ärztin in einer Hausarztpraxis und hat viele ukrainische Patienten.

Durch diese Patienten wird sie immer wieder an ihre alte Heimat erinnert und die Sehnsucht nach der Ukraine, die immer noch vom Krieg gebeutelt wird, ist gross. 

Mira zieht es nach Odesa, zu ihrer Grossmutter, zu ihrem Bruder und sie will in den vertrauten Strassen mit den Freunden, die sie zurücklassen musste, spazieren gehen. 

Die Autorin wurde in Odesa geboren und ist dort aufgewachsen. Wie ihre Protagonistin Mira lebt sie heute in Deutschland und arbeitet als Ärztin. Ich kann mir vorstellen, dass in diesem Roman sehr viele eigene Erlebnisse stecken und auch Gefühle und Sehnsüchte, die die Autorin gegenüber ihrer alten Heimat hegt, eingeflochten wurden. Das Resultat ist ein authentischer, offener und eindringlicher Roman.

Mira Zehmann arbeitet in einer Arztpraxis und zu ihr kommen viele Geflüchtete. Menschen, die aus der Ukraine vor dem Krieg geflüchtet sind und alle ihre eigenen Schicksale mitbringen. Das ging mir schon sehr nah. Natürlich auch mit dem Gedanken im Hinterkopf, dass genau solche Geschichten auch in der Realität an der Tagesordnung sind. Ebenfalls an der Tagesordnung ist wohl die Sehnsucht von Menschen, die wegen des Krieges ihre Heimat verlassen und sich in eine völlig fremde Kultur einfügen müssen. Und dabei immer wieder "Zugwind" verspüren, wie es auch die Protagonistin fühlt. Vieles wird dabei in dieser Geschichte ausgeklammert, gerade was das Einleben in Deutschland beinhaltet. Arbeitssuche wird angedeutet, die ganzen finanziellen und administrative Seite der Eingliederung sehr eingeschränkt erwähnt. Mira Zehmann hat zum Glück keinerlei finanzielle Probleme und die Integration in den Arbeitsmarkt scheint auch problemlos zu sein.

Die Autorin schreibt in einem atemlosen, teilweise abgehakten und knappen Schreibstil. Immer wieder finden sich leise Botschaften, versteckte Emotionen und Beobachtungen. Ich benötigte etliche Kapitel, bis ich mich an den Schreibstil gewöhnt hatte. Insbesondere die vielen Aufzählungen von Schicksalen der Patienten, die völlig losgelöst von der eigentlichen Handlung eingefügt wurden, waren mir etwas zu stakkatoartig und auch in zu grosser Anzahl. Dadurch haben sich Längen ergeben, die der Grund sind, dass ich so ganz überzeugt wurde von diesem Buch.

Für das Rezensionsexemplar sage ich Danke dem Rowohlt Verlag und Vorablesen.

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