Freitag, 27. Februar 2026

Alle glücklich / Kira Mohn

LESEEMPFEHLUNG!

Bewertung: ★★★★★



Familie Holtstein lebt in der Nähe von München. Vater Alexander ist Arzt und sichert mit seinem Einkommen ein sorgenloses Leben für seine Familie. Seine Frau Nina arbeitet halbtags und kümmert sich um den Haushalt.

Ben, der 19 Jahre alt ist und die 16-jährige Emilia sind aus dem gröbsten raus und nun hätten Alexander und Nina wieder mehr Zeit für sich. 

Doch irgendwie driften die Familienmitglieder auseinander. Alexander arbeitet immer mehr, Emilia ist frisch verliebt, Ben sucht nach dem Sinn in seinem Leben und Nina findet eine Freundin, mit der sich besser reden kann als mit ihrem Mann.

Zu Beginn zeichnet die Autorin das Bild einer idyllischen, glücklichen Familie. Doch sehr bald und spätestens nachdem jedes der vier Mitglieder der Familie Holtstein seine eigenen Kapitel bekommt, schleichen sich Zweifel ein. Die Fassade ist die einer perfekten Familie. Doch Nina, Alexander, Emilia und Ben lassen die Leser in ihre Köpfe und ihre Herzen blicken. Dabei merkt man, dass es hinter der Fassade langsam aber sicher zu brodeln beginnt.

Da ist zum Beispiel Nina, die zu ihren Kindern steht! Immer und vorbehaltlos! Sie verteidigt sie gegenüber Alexander, der höhere Ansprüche an den Nachwuchs stellt. Nina verfügt, durch einen geheim gehaltenen Nebenjob, über eigenes Geld. Dies, damit sie Alexander ihre Ausgaben nicht darlegen muss. Nina ist eine etwas klischeehafte Frau Ende 40. Sie überlegt sich zudem, wie das Leben für sie weitergehen soll. Sie wächst im Laufe der Geschichte und hat mich überzeugt und mir gefallen.

Alexander fand ich etwas anstrengend. Zwar liebt er seine Frau und dies beteuert er uns Lesern mehrmals, stellt aber auch etwas machohafte Ansprüche an sie. Mehr oder weniger abwesend durch seine Arbeit überliess und überlässt er Kinder und Haushalt Nina und beklagt sich, wenn etwas nicht glatt und rund läuft.

Die 16-jährige Emilia ist frisch verliebt in den 18-jährigen Julian, der reich und attraktiv ist. Emilia hat mir leidgetan, denn immerzu muss sie befürchten nicht zu genügen. Es kommt dann aber noch schlimmer und sie gerät so richtig in Bedrängnis.

Die Figur, die mich am meisten berührt hat, ist Ben. Ben ist 19 Jahre alt, spielt mit Leidenschaft Games und verpasst dabei das Leben. Ben verkörpert so viele junge Männer in der realen Welt, die in der künstlichen Welt von Games und Social Media ihr Leben verbringen und dabei die Fähigkeiten zu kommunizieren oder sich in Gesellschaft zu bewegen, verlernen. Er ist eine tragische Figur, mit der ich mitgefühlt habe.

Mir hat die Geschichte sehr gefallen. Ich empfand sie als authentisch. Durchwoben mit Träumen, Problemen, Sorgen und Erlebnissen, wie sie in einer Familie auch in der Realität an der Tagesordnung sind. Kira Mohn hat eine fesselnde und aufwühlende Geschichte geschaffen, für die ich gerne eine Leseempfehlung ausspreche.

Für das Rezensionsexemplar bedanke ich mich beim Harper Collins Verlag und NetGalley.

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